Silvester ANR

von Eric Böhnisch-Volkmann

Der 31. Dezember 2025 zeigte sich von seiner besten fliegerischen Seite. Ein klassischer Wintertag, wie man ihn sich wünscht und viel zu selten bekommt. Klare, trockene Kaltluft, stabile Hochdrucklage, praktisch keine Turbulenzen. Die Sicht schien endlos, die Landschaft messerscharf gezeichnet, vom Raum Stuttgart bis tief ins Allgäu. Minus 9 Grad am Morgen sorgten zwar für eingefrorene Finger und ehrfürchtiges Schweigen am Vorfeld, dafür aber auch für ruhige Luft und perfekte Bedingungen für Navigation und Präzision.

Um 8:45 Uhr traf sich die Crew in Pattonville. Frost auf den Flächen, Atemwolken beim Briefing, aber Sonne satt. Markus Hey, David Fleer, Christian Görg und Philipp Wehrle starteten mit MIVA und MOMO in den letzten Flug des Jahres. Die MIVA musste der Kälte erst einmal erklären, dass Silvester kein Grund für Streik ist, lief danach aber zuverlässig. In der Luft dann genau das, was dieses Wetter versprach. Ruhig, klar, stabil. Ein Traumtag, wenn man ihn einmal warm eingepackt erlebt.

Gegen 9:30 Uhr ging es Richtung Leutkirch EDNL. Unter uns eine winterliche Bilderbuchlandschaft, kaum Dunst, keine Überraschungen. In Leutkirch angekommen folgten Tanken, Abstellen der Flugzeuge im Gras und der zügige Wechsel ins Vereinsheim. Dort wartete das ANR Briefing. Zwei Aufgaben standen zur Wahl. Kerze oder Glocke. Bei diesem Wetter wäre selbst ein Quadrat schön geworden, also fiel die Wahl auf die anspruchsvollere Glocke mit rund 21 Minuten Flugzeit.

Geflogen wurde in zwei Teams: Markus mit Philipp sowie Christian mit David. Startfenster um 12:00 und 12:05 local. Trotz Winterkälte draußen herrschte in der Luft konzentrierte Ruhe. Keine Thermik, kein Geruckel, nur sauberes Fliegen, Rechnen und Korrigieren. Der niedrige Sonnenstand erschwerte dabei die Orientierung an Bodenmerkmalen und verlangte zusätzliche Aufmerksamkeit. Beide Crews nutzten die außergewöhnlich stabilen Bedingungen und zeichneten mit fliegerischem Können und einer gesunden Portion Kreativität jeweils eine Glocke in den Himmel.

Gegen 12:30 local Rückkehr nach Leutkirch. Drinnen warteten Wärme, Gulasch und die Auswertung. Das Wetter wurde endgültig zum heimlichen Star des Tages. Um 14 Uhr local folgte schließlich der Rückflug nach Pattonville EDTQ, erneut bei perfekten Bedingungen. Hier zeigte sich, wie beliebt dieser Silvestertag bei Piloten war. Rund zehn Flugzeuge traten nahezu zeitgleich den Heimflug an, was den Start in Leutkirch etwas in die Länge zog und für volle Aufmerksamkeit auf der Frequenz sorgte.

In Pattonville angekommen hieß es dann, Flugzeuge einhallen, Handschuhe ausziehen, Heimfahrt.

Ein eiskalter Silvestertag mit außergewöhnlichem Wetter, präzisem Fliegen und viel gemeinsamer Freude. Ein perfekter Saisonabschluss.

Philipp Wehrle

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